Ein Einblick in Ihre Arbeit mit Kindern in Indien von Sopie Grosse-Rueschkamp

Namaste!

Ich bin jetzt bereits 5 Monate in Indien, genauer in Pune. Ich arbeite dort in einem Kinderheim namens Shreevatsa. Es gehört neben einem Kinderheim für Kinder mit besonderen Bedürfnissen "Tara" und einem weiteren Kinderheim "ForsterCare" zu der NGO " SOFOSH" , die unter anderen auch Programme zur Bekämpfung von AIDS anbietet.

In dem Kinderheim leben Kinder zwischen 0-6 Jahren. Sie sollen, wenn möglich, adoptiert werden. Die meisten Kinder kommen bereits wenige Tage alt zu Shreevatsa. Sie stammen dann meist aus dem nebenliegenden staatlichen Krankenhaus "Sassoon Hospital" und wurden von ihren Eltern zur Adoption freigegeben, nicht abgeholt oder ihre Mütter sind während der Geburt gestorben. Oft handelt es sich bei den Müttern, um Prostituierte, die ihre Kinder nicht behalten können.

Es werden aber auch Kinder von der Polizei abgegeben. Das sind dann meistens Waisen und ältere Kinder, zum Teil auch traumatisiert.

Das Kinderheim lässt sich grob in drei Schlafräume aufteilen. In dem ersten befinden sich Babys zwischen 0 und 3 Monaten, in dem zweiten Babys zwischen 3 und 12 Monaten und in dem dritten, die älteren Kinder.

Die Kinder bis 12 Monate haben gute Chancen adoptiert zu werden. Sie werden nur an indische Familien adoptiert. Kinder, die älter sind oder eine körperliche oder geistliche Beeinträchtigung besitzen, haben dagegen leider weniger Chancen. Sie dürfen dann auch ins Ausland adoptiert werden. Als „Shreevatsa“ gegründet wurde, gab es noch kaum Bereitschaft innerhalb Indiens Kinder zu adoptieren, sodass die Kinder in die USA und nach Schweden adoptiert wurden. Inzwischen gibt es lange Wartelisten.

Bei den Babys läuft es echt gut. Es gibt genug Mauschis (Marathi für Tante; sie kümmern sich ums Füttern, Wickeln etc. der Kinder), die sich um alles kümmern. Es wird sehr auf Gesundheit und Hygiene geachtet. Es ist immer ein Krankenschwester vorhanden und sowohl Ärzte und Physiotherapeuten schauen regelmäßig vorbei. Zudem gibt es sehr viele Volunteere, die regelmäßig mithelfen.

Ich habe mich entschieden bei den größeren Kindern zu arbeiten. Die größeren Kinder werden auch von Mauschis gefüttert etc. Vormittags und -nachmittags werden sie von Didis (Marathi für große Schwester; sie lehren beispielsweise Englisch Vokabular) betreut.

Als ich anfing im Kinderheim zu arbeiten, herrschte eine sehr aggressive Stimmung in der Kindergruppe. Vor allem, die Kinder, die schon zur Schule gehen, schlugen ohne Grund sich gegenseitig. Mir fiel es am Anfang schwer bei den älteren Kindern Respekt zu erhalten , da sie es von manchen Mauschis gewohnt waren, teilweise mal geschlagen zu werden.

Inzwischen habe ich es geschafft, bei den meisten Kindern Respekt zu erlangen und bin sehr froh darüber. Während die Kinder anfangs oft einfach an den Fernseher gesetzt wurden, sind zwei Didis, Vaishali und Ruchita, und ich inzwischen sehr bemüht den Kindern englische Wörter beizubringen, mit ihnen zu singen und zu tanzen.

Ich habe mir letzte Woche eine Gitarre besorgt und fange an mit den Kindern mit Gitarre zu singen.

Das Kinderheim würde auch ohne Volunteers sehr gut laufen. Es hat genug Angestellte und ist finanziell bestens durch indische Spender versorgt. Ich denke es ist ein gutes Projekt für Volunteere. Meiner Meinung sollen diese auf keinen Fall Arbeitsplätze ersetzen, sondern eine zusätzliche Kraft sein, damit mehr Zeit für einzelne Kinder da ist.

Ich bin eine zusätzliche Kraft, beispielsweise kam vor 1 1/2 Monaten ein Kind von der Straße zu uns. Es konnte trotz seiner 5 Jahre nicht sprechen. Es dauerte ein bisschen Zugang zu dem Kind zu finden. Ich nehme mir sehr viel Zeit für dieses Kind. Inzwischen ist es ein fröhliches , tanzendes Kind. Angefangen mit den Zahlen von 1-5, fängt es an , immer mehr zu sprechen.

An meisten an dem Freiwilligendienst gefällt mir der kulturelle Austausch. In der Freizeit trifft man vor allem auf moderne und reiche Inder und internationale Studenten. Durch meine Arbeit im Freiwilligendienst werden mir auch Kontakte zu anderen Gesellschaftsschichten ermöglicht. Beispielsweise wurden meine Mitfreiwillige und ich bei den beiden Didis Vaishali und Ruchita eingeladen. So entstehen spannende Gespräche über Indien, Deutschland, arrangierte und Liebeshochzeiten, Religionen etc.

 

Fasziniert bin ich von der Fröhlichkeit, dem Tanzen und der Lebensfreude an Feiertagen, egal ob hinduistisch oder Weihnachten, vom immer wieder von neuen Seiten Indiens überrascht werden und

der Flexibilität und Spontanität, die man an den Tag legt.

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